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Preisumstellung zum Jahreswechsel

  • 30. Juni 2026
  • Lesezeit: 4min
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Die deutsche Dentallandschaft steht vor einer wirtschaftlichen Zerreißprobe.




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Während der digitale Wandel durch KI-gestützte Designprozesse und optimierte Workflows unaufhaltsam voranschreitet, gerät das finanzielle Fundament vieler Labore zum Teil ins Wanken. Steigende Ausgaben für Energie, Verbrauchsmaterialien und Personal kollidieren mit dem traditionellen Modell der einmaligen jährlichen Preisanpassung. Unkalkulierbare Geschehnisse (globale wirtschaftliche Schwankungen) kommen erschwerend hinzu.

Angesichts der zusätzlich gestiegenen Inflation ist dieses Vorgehen (einmalige BEB-Preisanpassung) kein Garant mehr für Stabilität, sondern ein existenzielles Risiko für die unternehmerische Resilienz.

Die Illusion stabiler Kostenstrukturen

Das klassische Prinzip der Jahrespreisliste – im Herbst kalkulieren, zum 1. Januar die BEB-Preise anpassen und das Jahr über unverändert lassen – setzt eine lineare Kostenentwicklung voraus. Die wirtschaftliche Realität ist jedoch hochgradig volatil. Besonders die Personalkosten erweisen sich als Preistreiber: Die deutliche Anhebung des Mindestlohns zu Beginn des Jahres 2026 und zum 01.07.2026 steigert den Kostenstundensatz im Labor drastisch, sofern der nötige Lohnabstand zu den Fachkräften gewahrt bleiben soll. Da die BEB-Preise am Markt aber meistens für zwölf Monate fixiert sind, verbleibt diese Kostenwelle unberücksichtigt im Betrieb. Sie wirkt wie eine stetige Erosion direkt auf das betriebswirtschaftliche Ergebnis. Dass Dentallabore kaum über den nötigen ökonomischen Sicherheitspuffer verfügen, um solche Schocks abzufedern, liegt vor allem an drei Faktoren:

  1. Psychologische Hürden: Inhaber fürchten, durch unterjährige Preiserhöhungen die Beziehung zu den Zahnarztpraxen zu belasten.
  2. Kalkulatorische Defizite: Viele Betriebe berechnen ihren KSS lediglich einmal im Jahr (wenn überhaupt). Ohne kontinuierliches oder quartalsweises Controlling bleibt der reale Kostendruck unsichtbar.
  3. Wettbewerbsdruck: Aus Angst, dass die Konkurrenz ihre Preise stabil hält, wird auf notwendige Anpassungen verzichtet, was zu Margenverlusten führt.

Der Kostenstundensatz als dynamisches Steuerungsinstrument

Um finanzielle Widerstandskraft aufzubauen, muss der Kostenstundensatz von einer starren, statischen Kennzahl zu einem aktiven Steuerungswerkzeug werden. In der gängigen Praxis ist die Formel (Gesamtkosten geteilt durch produktive Stunden) oft zu eng gefasst, da Risiko- und Gewinnzuschläge sowie energieintensive Sonderprozesse (wie das Sintern von Zirkonoxid) selten dynamisch eingepreist werden.

In einem margenschwachen Sektor, in dem hohe Fixkosten für Material und moderne CAD/CAM-Infrastruktur die Liquidität binden, entscheiden oft Nuancen über die Reinvestitionsfähigkeit des gesamten Betriebes. Labore sollten ihren KSS daher halbjährlich mindestens jährlich ausrechnen.

Strategie für eine intelligente Preispolitik

Ein ökonomisch stabiles Labor muss sich die Flexibilität sichern, unterjährig auf signifikante Kostensprünge zu reagieren. Zeigt das Controlling zur Jahresmitte, dass die Margen unter ein kritisches Niveau sinken, ist ein Abwarten bis zum nächsten Januar betriebswirtschaftlich fahrlässig. Eine kluge Resilienz-Strategie verlangt keine pauschale Erhöhung, sondern eine differenzierte Anpassung:

  • Materialintensive Positionen: Direkte Reaktion bei starken Preissteigerungen im Einkauf (z. B. bei Metallen, Druckresigns, Zirkonoxid-Blöcken oder Fräswerkzeugen).
  • Lohnintensive Positionen: Der gestiegene Kostenstundensatz muss direkt einfließen, um Tarifanpassungen oder Sonderzahlungen abzufangen.
  • Indexierung und Gleitklauseln: Langfristig empfiehlt sich die Einführung von Preisgleitklauseln, die bei Überschreiten bestimmter Schwellenwerte für Material oder Energie eine automatische Anpassung auslösen. Moderne Warenwirtschaftssysteme/Abrechnungsprogramme können hier unterstützen.

Erfolg durch datenbasierte Kommunikation

Ein wesentlicher Pfeiler unternehmerischer Resilienz ist die Kommunikation auf Augenhöhe. Zahnärzte sind selbst Unternehmer und spüren den wirtschaftlichen Druck in der eigenen Praxis durch steigende Mieten, Energie- und Personalkosten ebenso. Wer Preiskorrekturen nicht willkürlich, sondern datenbasiert und substanziell begründet, agiert professionell.

Eine Zahnarztpraxis die der Meinung ist, „das Labor muss aber dieses Jahr in der Preisgestaltung einmal aussetzen“ muss in Bezug auf den möglichen Ertrag neu bewertet werden.

Eine transparente Anpassung dient nicht der Gewinnmaximierung, sondern ist eine notwendige Inflationskorrektur zum Erhalt des gemeinsamen Qualitätsstandards. Wer seine Preise nicht an die Realität anpasst, subventioniert die Zahngesundheit der Patienten letztlich aus der eigenen Substanz.

Digitale Prozesse als Hebel zur Kostensenkung

Neben einer marktgerechten Preisgestaltung bietet die konsequente Digitalisierung erhebliche Potenziale, um Prozesskosten zu senken und Freiräume im Kostenstundensatz zu schaffen:

  1. Konsequente Vernetzung: Die direkte digitale Anbindung der Praxis-Software an das Labor beschleunigt den administrativen Workflow und eliminiert Fehlerquellen bei der Auftragserfassung.
  2. Digitale Abformung: Die Übermittlung von Intraoralscans spart reale Kosten im Botendienst und reduziert unproduktive Rüstzeiten für die Modellherstellung.
  3. Echtzeit-Kommunikation: Cloudbasierte Viewer und digitale Planungsmeetings verlagern Abstimmungen ins Netz und minimieren zeitraubende Vor-Ort-Termine.

Fazit: Die Widerstandsfähigkeit eines modernen Dentallabors zeigt sich darin, Krisen nicht nur auszusitzen, sondern sie proaktiv in die eigenen Kalkulationsmodelle einzupreisen. Nur wer seine Kostenstruktur im Griff hat, bleibt investitions- und zukunftsfähig.





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